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Nachhaltiger Fischfang

Das MSC-Zertifizierungsprogramm steht in der Kritik
Inwiefern können Verbraucher noch dem Fischgütesiegel trauen?

Seit 1997 existiert die MSC Zertifizierung ( das blau-weiße Siegel ) und soll die Lösung auf das globale Problem der Überfischerung bieten. Die unabhängige und gemeinnützige Organisation ist als weltweit anerkannte Zertifizierungsstelle bekannt, dass für nachhaltige Fischerei sorgen soll. Für den Verbraucher symbolisiert dieses Zertifikat zudem den ökologisch einwandfreien und qualitätsbewussten Fischfang.

Das Nachhaltigkeitssiegel allerdings kein Garant für verantwortungsvollen und umweltschonenden Fischfang darstellen, verdeutlichen erneut aktuelle Berichte und kritische Stimmen. Es fehlt an  mangelnde Umsetzung und Kontrolle – so ist zudem von Bestechungsversuchen die Rede.

Bewertung durch die NON-Profit Organisation MSC

Nachhaltige Fischerei bedeutet für den MSC, dass Fanggeräte umweltverträglich eingesetzt und Fischbestände verantwortungsvoll genutzt werden. Dies spiegelt auch die öffentliche Meinung und die Grundhaltung einer solchen Zertifizierung wieder.

Für die Einhaltung der Anforderungen stehen unabhängige Gutachter zur Verfügung, die entsprechende Kontrollen durchführen. Die Messlate wird nach Angaben von MSC stetig gesteigert, zudem werden neue Zertifizierungskriterien regelmäßig erarbeitet.
Bei einer erfolgreichen zertifizierung gilt das MSC-Zertifikat einer Fischerei für fünf Jahre, das Zertifikat für Unternehmen der Lieferkette drei Jahre. Nachfolgeuntersuchungen sollen sicherstellen, dass das Unternehmen weiterhin den Anforderungen gerecht wird.
Das MSC Programm schließt sowohl kleine als auch große Fischereien ein. Nachhaltigkeit ist nicht abhängig von Größe.

Den Vorwürfen entsprechend merkt MSC an, dass es zwar Bestechungsversuche gibt, aber es sei nie nachweisbar gewesen, dass Bestechungsgeld auch angenommen wurden.  Die MSC ist eine NON-Profit Organisation und arbeitet mit Industrie, Einzelhandel, Wissenschaft, Politik und Umweltorganisationen gleichermaßen zusammen.

Jedes Jahr sterben Zehntausende Haie, Meeresschildkröten und hunderte Delfine

Greenpeace beklagt parallel, dass selbst Fischereien mit hoher Beifangrate mitunter zehntausenden Haien und Meeresschildkröten, das Siegel erhalten würde. Ehemaliger Mitbegründer des Ökosiegels Daniel Pauly formuliert seine derzeitige und abschätzende Ablehnung so: „Die MSC-Leute sind auf die dunkle Seite gewechselt, ganz und gar.“

Von einer ökologisch orientierten Fischerrei kann weiter nicht gesprochen werden, wenn aggressive Methoden beim Fischfang angewendet werden. Riesige, schwerlastige Netze pflügen dabei regelrecht den Meeresboden um und zerquetschen alles unter sich, was Ihnen in den Weg kommt. Eine kritische Fernsehreportage der ARD stellt die Zertifizierung weiter deutlich in Frage. Es werden umfassende Kontrollen der EU-Fischereien gefordert.

Eine ausführliche Stellungsnahme von MSC zu der ARD Reportage und Vorwürfen „Das Geschäft mit dem Fischsiegel“ vom 23 April 2018 ist hier zu finden: https://20.msc.org/de/presse/stellungnahmen/das-geschaeft-mit-dem-fischsiegel

Unser Schlusswort

Zertifizierungen und Gütesiegel sollen Transparenz und Vertrauen fördern. Dafür müssen alle Stellschrauben sitzen und Kriterien für eine angemessene Beurteilung vorhanden sein. Inwiefern das MSC – Zertifikat den notwendigen Rahmen schafft, lässt sich nur mit tiefgründiger Sichtung klären.

Das Fischfang ein lukratives Geschäft ist und Fischbestände nicht „tot gestreichelt“ werden, sollte jedem Verbraucher bewusst sein, wenn dieser die Fischtheke aufsucht. Unternehmen wie Costa, Iglo und Dr. Oetker halten weiterhin an der MSC Zertifizierung fest – nicht uneigennützig, denn die Zertifizierung ist durchaus auch ein passables Marketinginstrument.