Zuletzt aktualisiert: Juli 23, 2026
Wenn Hersteller die Füllmenge reduzieren, während der Preis gleich bleibt oder sogar steigt, sprechen Verbraucher von einer Mogelpackung des Jahres. Die Verbraucherzentrale Hamburg vergibt jährlich einen Negativpreis an das dreisteste Beispiel. BVL unterstützt Akteure der Branche dabei, Transparenz in der Preiskalkulation zu schaffen und Verbrauchertäuschung zu erkennen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie versteckte Preiserhöhungen durchschauen und beim Einkaufen nicht in die Falle tappen.
Shrinkflation ist das englische Wort für das, was deutsche Verbraucher längst kennen: Der Grundpreis steigt, die Grammatur sinkt, aber die Verpackung täuscht optisch noch immer Normalität vor. Nach Analysen von Verbraucherschutzorganisationen zur Shrinkflation hat sich dieses Phänomen in Deutschland in den letzten drei Jahren deutlich verschärft. Unternehmen wie Mondelez, der Hersteller von Milka, nutzen diese Strategie besonders aggressiv und wurden dafür bereits mehrfach mit der Mogelpackung des Jahres ausgezeichnet. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie versteckte Preiserhöhungen erkennen, zahlen Sie Jahr für Jahr mehr, ohne es zu merken.
Was ist die Mogelpackung des Jahres?
Die Mogelpackung des Jahres ist eine bewusste Verbrauchertäuschung, die von der Verbraucherzentrale Hamburg jährlich öffentlich gemacht wird. Der Negativpreis wird an das Produkt vergeben, das Verbraucher am dreistesten täuscht: durch Verpackungsgröße, die größer wirkt als der Inhalt, durch Füllmenge-Reduktion ohne entsprechende Preissenkung oder durch versteckte Preissprünge.
Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt Vorschläge von Bürgern, analysiert sie und wählt diejenige aus, die am meisten Verbraucher betroffen hat oder die Grenze zum Absurden am deutlichsten überschritten hat. Im Jahr 2024 gewann Milka Alpenmilch den unrühmlichen Titel: Die Schokoladentafel wurde von 100 Gramm auf 87 Gramm reduziert, eine Reduktion um 13 Prozent, ohne dass der Preis sank. Die Verpackung blieb optisch gleich, nur das Gewicht sank.
Während früher einzelne Hersteller gelegentlich zur Mogelpackung griffen, ist Shrinkflation heute eine Standardstrategie bei Markenartikeln. Besonders aggressive Beispiele gibt es bei Schokolade, Kaffee, Joghurt und Tiefkühlprodukten, also bei Produkten, bei denen Verbraucher das Gewicht nicht sofort überprüfen.
Shrinkflation: Definition, Hintergründe und Beispiele
Shrinkflation ist der Fachbegriff für eine Preisanpassung, die nicht offen kommuniziert wird. Statt den Preis zu erhöhen, reduzieren Hersteller die Füllmenge, der Verbraucher zahlt also faktisch mehr pro Einheit, bemerkt es aber nicht auf den ersten Blick. Das Wort setzt sich zusammen aus „shrink“ (Schrumpfung) und „inflation“ (Preissteigerung).
Forschung zur Shrinkflation in europäischen Märkten zeigt, dass dieses Phänomen während Inflationsphasen besonders ausgeprägt ist. Hersteller argumentieren, dass sie nur so ihre Margen halten können, wenn die Rohstoffkosten steigen. Das ist teilweise nachvollziehbar, aber es ist auch eine Verschiebung der Kostenlast auf den Verbraucher, der nicht merkt, dass er betrogen wird.
Wie Hersteller Shrinkflation umsetzen
Manche Hersteller reduzieren die Füllmenge um kleine Prozentsätze (5, 10, 15 Prozent) in der Hoffnung, dass Verbraucher es nicht bemerken. Andere nutzen Verpackungsdesign als Täuschungsmittel: Die Packung wirkt gleich groß oder sogar größer, obwohl weniger drin ist. Wieder andere verstecken die Reduktion durch Umpackungen, plötzlich gibt es eine „neue Rezeptur“ oder ein „neues Format“, und schon ist die alte Grammatur weg.
Die Verpackung ist dabei das zentrale Werkzeug. Wenn eine Schokoladentafel von 100 auf 87 Gramm schrumpft, aber die äußere Verpackung gleich groß bleibt, merkt der Verbraucher beim Griff ins Regal nichts.
Verbreitung in der deutschen Lebensmittelindustrie
Shrinkflation ist in Deutschland kein Randphänomen. Besonders betroffen sind Markenartikel im mittleren Preissegment, genau die Produkte, die Verbraucher regelmäßig kaufen, ohne jedes Mal die Grammatur zu überprüfen. Der Supermarkt ist dabei der ideale Ort für diese Praxis: Verbraucher kaufen schnell, unter Zeitdruck, und überprüfen nicht jedes Produkt.
Besonders problematisch ist, dass Shrinkflation oft nicht als einzelner großer Schritt erfolgt, sondern als Salami-Taktik über mehrere Jahre hinweg. Ein Produkt, das vor fünf Jahren 200 Gramm wog, wiegt heute vielleicht noch 160 Gramm. Verbraucher merken diese schleichende Veränderung oft nicht.
Die Verbraucherzentrale Hamburg und die Mogelpackung des Jahres
Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt Vorschläge von Verbrauchern, analysiert sie und kürt dann die dreisteste Mogelpackung. Das ist nicht nur ein symbolischer Akt, es ist auch eine Form des Verbraucherschutzes, die öffentliche Aufmerksamkeit schafft. Sie veröffentlicht die Gewinnerin und erklärt genau, warum dieses Produkt den Titel verdient hat.
Abstimmungsergebnisse und Gewinnerin
Im Jahr 2024 wurde Milka Alpenmilch zur Mogelpackung des Jahres gewählt. Die Schokoladentafel erhielt überwiegend Stimmen von Verbrauchern, die sich von der Reduktion von 100 auf 87 Gramm betrogen fühlten. Das entspricht einer Reduktion um 13 Prozent bei stabilen oder sogar steigenden Preisen. Andere Kandidaten waren Produkte von Ritter Sport, Lindt und verschiedenen Tiefkühlherstellern, was zeigt, dass Shrinkflation eine branchenweite Praxis ist.
Rolle der Verbraucherzentrale bei Verbraucherschutz
Die Verbraucherzentrale Hamburg leistet Aufklärungsarbeit, die der Staat und die Regulatoren nicht leisten. Sie zeigt auf, wo die Grenzen zwischen aggressivem Marketing und Verbrauchertäuschung verschwimmen. BVL unterstützt diese Aufklärungsarbeit durch fundierte Leitfäden und aktuelle Analysen zur Lebensmittelsicherheit und zum Verbraucherschutz. Besonders in Zeiten von Shrinkflation ist es wichtig, dass Einzelhändler und Verbraucher wissen, wie sie Mogelpackungen erkennen und sich schützen können.
Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt erkennen
Es gibt konkrete Indikatoren, mit denen Sie Shrinkflation und versteckte Preiserhöhungen sofort erkennen. Die erste Faustregel: Achten Sie nicht auf den Preis, achten Sie auf den Grundpreis.

Grundpreis und Grammatur: Die wichtigsten Indikatoren
Der Grundpreis ist Ihr wichtigstes Werkzeug. Er wird in Deutschland nach der Preisangabenverordnung (PAngV) vorgeschrieben und muss auf dem Etikett stehen. Ein Produkt, das 3,99 Euro kostet und 250 Gramm wiegt, hat einen Grundpreis von 15,96 Euro pro Kilogramm. Wenn das gleiche Produkt nächsten Monat noch 3,99 Euro kostet, aber nur noch 200 Gramm wiegt, liegt der Grundpreis jetzt bei 19,95 Euro pro Kilogramm. Das ist eine versteckte Preiserhöhung um 25 Prozent.
Die Grammatur oder Füllmenge ist die zweite wichtige Information. Sie steht auf der Vorderseite der Verpackung. Wenn Sie ein Produkt regelmäßig kaufen, sollten Sie die Grammatur auswendig kennen. Wenn die Verpackung gleich aussieht, aber die Grammatur kleiner ist, haben Sie eine klassische Mogelpackung.
Praktische Checkliste beim Einkaufen
- Vergleichen Sie den Grundpreis mit Ihrem letzten Einkauf. Ist er gestiegen?
- Überprüfen Sie die Grammatur. Ist sie kleiner als beim letzten Mal?
- Schauen Sie auf die Verpackung. Wirkt sie voluminöser als der Inhalt?
- Achten Sie auf neue Designs oder „neue Rezepturen“, das ist oft eine Tarnung für Shrinkflation.
- Vergleichen Sie mehrere Marken. Ist die Hausmarke günstiger pro Kilogramm?
- Nutzen Sie eine Einkaufs-App, die Grundpreise vergleicht.
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Indikator |
Was bedeutet es |
Wie Sie es erkennen |
|---|---|---|
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Grundpreis steigt |
Versteckte Preiserhöhung |
Vergleichen Sie den Grundpreis mit dem letzten Einkauf |
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Grammatur sinkt |
Weniger Inhalt bei gleicher Verpackung |
Überprüfen Sie das Gewicht auf der Rückseite |
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Verpackung wirkt zu groß |
Optische Täuschung |
Fassen Sie das Produkt an, es fühlt sich leichter an |
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„Neue Rezeptur“ |
Oft Tarnung für Shrinkflation |
Überprüfen Sie sofort die Grammatur |
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Preis gleich, Gewicht weniger |
Klassische Mogelpackung |
Berechnen Sie: alter Grundpreis vs. neuer Grundpreis |
Lebensmitteltricks der Hersteller: Psychologie und Verpackung
Shrinkflation funktioniert nur, weil Hersteller die Psychologie des Verbrauchers verstehen und gezielt ausnutzen. Verbraucher kaufen Produkte oft aus Gewohnheit und überprüfen nicht jedes Mal die Grammatur. Genau diese Gewohnheit nutzen Hersteller aus.
Verpackungsdesign als Täuschungsmittel
Die Verpackung ist das zentrale Werkzeug. Ein gutes Beispiel ist die Milka Alpenmilch: Die Verpackung wurde nicht verändert, obwohl die Füllmenge um 13 Prozent sank. Wenn Verbraucher die Verpackung nicht bewusst überprüfen, nehmen sie an, dass das Produkt gleich groß ist wie immer. Manche Hersteller gehen noch weiter und redesignen die Verpackung so, dass sie voluminöser wirkt, obwohl weniger drin ist.
Psychologische Tricks bei Preiskalkulation
Hersteller nutzen psychologische Preisschwellen aus. Ein Produkt, das 3,99 Euro kostet, wirkt günstiger als eines, das 4,00 Euro kostet. Wenn ein Hersteller die Füllmenge reduziert und den Preis gleich lässt, bleibt die psychologische Preisschwelle erhalten. Der Verbraucher nimmt wahr: „Das kostet immer noch 3,99 Euro“, und merkt nicht, dass die Grammatur sank.
Rechtliche Grauzonen: Was ist erlaubt, was nicht?
Rechtlich ist Shrinkflation nicht verboten, solange der Grundpreis korrekt ausgezeichnet wird. Das ist das Kernproblem: Solange Hersteller den Grundpreis angeben, dürfen sie die Füllmenge reduzieren. Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt vor, dass der Grundpreis deutlich sichtbar sein muss, aber „deutlich sichtbar“ ist eine Grauzone.
Verbrauchertäuschung ist rechtlich definiert als „irreführende Geschäftspraktiken“ nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Aber auch hier gibt es Grauzonen. Ist es Verbrauchertäuschung, wenn ein Hersteller die Verpackung gleich lässt, aber die Füllmenge reduziert? Die Gerichte sind sich nicht einig.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Richtlinien, aber diese sind nicht rechtsverbindlich. Sie sind eher Empfehlungen. Solange Hersteller den Grundpreis korrekt angeben, sind sie rechtlich auf der sicheren Seite.
Alternativen zu Mogelpackungen: Tipps für bewusste Verbraucher
Vergleichen Sie Grundpreise. Das ist die wichtigste Regel. Wenn Sie zwei ähnliche Produkte vor sich haben, vergleichen Sie nicht den Preis, sondern den Grundpreis.
Bevorzugen Sie Hausmarken. Hausmarken von Rewe, Edeka oder Aldi unterliegen weniger Druck, ihre Margen zu halten. Sie können transparenter mit Preiserhöhungen umgehen.
Nutzen Sie digitale Tools. Apps wie „Codecheck“ oder die Apps von Verbraucherzentralen vergleichen Grundpreise und geben Warnungen, wenn ein Produkt teurer wird. Diese Tools sind kostenlos.
Kaufen Sie größere Packungen. Größere Packungen haben oft bessere Grundpreise. Wenn Sie Platz zum Lagern haben, lohnt sich die größere Packung fast immer.
Schreiben Sie an Hersteller. Wenn Sie eine Mogelpackung entdecken, beschweren Sie sich. Hersteller registrieren, dass Verbraucher es merken.
Melden Sie Mogelpackungen. Die Verbraucherzentrale Hamburg sammelt Vorschläge für die nächste Mogelpackung des Jahres. Öffentlichkeit ist der beste Schutz.
Fazit: Mogelpackung des Jahres und Verbraucherschutz
Die Mogelpackung des Jahres ist ein Zeichen dafür, dass Verbrauchertäuschung in der Lebensmittelindustrie zur Norm geworden ist. Hersteller wie Mondelez reduzieren Jahr für Jahr ihre Füllmengen, während die Preise stabil bleiben oder steigen.
Die gute Nachricht: Sie müssen sich nicht täuschen lassen. Mit Grundpreisvergleich, Grammatur-Überprüfung und digitalen Apps können Sie Shrinkflation sofort erkennen. Wenn genug Verbraucher das tun, entsteht Druck auf Hersteller. Druck führt zu Veränderung.
BVL unterstützt Einzelhändler und Verbraucher gleichermaßen dabei, Transparenz in der Lebensmittelbranche zu schaffen. Durch fundierte Leitfäden zum Verbraucherschutz und aktuelle Analysen zu Preiskalkulationen hilft BVL dabei, die Balance zwischen fairer Preisgestaltung und unternehmerischer Rentabilität zu wahren. BVL-Richtlinien zur Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz bieten konkrete Handlungsempfehlungen für Händler, die ihre Kunden nicht täuschen wollen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Mogelpackung des Jahres und wer wählt sie?
Die Mogelpackung des Jahres ist eine jährliche Auszeichnung der Verbraucherzentrale Hamburg, die das dreisteste Beispiel für versteckte Preiserhöhungen und Shrinkflation in der Lebensmittelindustrie würdigt. Verbraucher stimmen online ab, um das Produkt zu wählen, das sie am meisten täuscht. Die Auszeichnung soll auf Verbrauchertäuschung aufmerksam machen und Druck auf Hersteller ausüben.
Wie erkenne ich versteckte Preiserhöhungen beim Einkaufen?
Achten Sie auf drei Indikatoren: 1) Vergleichen Sie den Grundpreis pro Kilogramm oder Liter statt des Gesamtpreises. 2) Überprüfen Sie die Füllmenge oder Grammatur auf der Rückseite – oft wird diese reduziert, während der Preis gleich bleibt. 3) Beobachten Sie, ob die Verpackungsgröße kleiner wird, aber die Packung ähnlich groß aussieht. Der Kilopreis verrät die wahre Preiserhöhung.
Was bedeutet Shrinkflation und warum nutzen Hersteller diese Strategie?
Shrinkflation ist die Reduktion der Füllmenge oder Qualität eines Produkts bei gleichbleibender oder erhöhter Verpackungsgröße und Preis. Hersteller nutzen diese Taktik, um Inflationskosten zu kompensieren, ohne einen offensichtlichen Preissprung zu riskieren. Verbraucher bemerken die kleinere Menge oft nicht sofort, während ein sichtbarer Preisanstieg zum Produktwechsel führen könnte. Dies ist eine Form der Verbrauchertäuschung, die Preistransparenz gefährdet.
Welche Alternativen gibt es zu bekannten Mogelpackungen?
Wechseln Sie zu Eigenmarken von Supermärkten, die oft bessere Grundpreise bieten. Kaufen Sie unverpackte Ware auf Märkten oder in Unverpackt-Läden. Vergleichen Sie verschiedene Markenartikel nach Grundpreis, nicht nach Packungsgröße. Bio- und Fair-Trade-Produkte von kleineren Herstellern haben oft transparentere Preiskalkulation. Nutzen Sie die Verbraucherportale der Verbraucherzentrale, um aktuelle Mogelpackungen zu meiden und bewusst einzukaufen.






